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Das Komotauer Schloß

auszugsweise aus Burgen und Schlösser des Erzgebirges und Egertales                von Viktor Karell + aus der Erzgebirgszeitung Jg. 1885

 

 
Der älteste Besitzer Komotaus, den die Geschichte nennt, ist Friedrich von Chomutav, welcher am 29. März 1252 die Stadt dem Deutschen Ritterorden schenkte. Dieser errichtete 1264 hier sein Schloß, dem späteren Rathaus. Unter den Deutherrenrittern wurde Komotau die berühmteste Kommende ihres Ordens. Sie waren es auch, die 1264 die Katharinenkirche erbauten. Bereits unter König Ottokar II bekam der Orden die Halsgerichtsbarkeit und vollendete in der Folgezeit rasch den Erwerb der umliegenden Güter. Im 14. Jahrhundert kaufte er noch einige Dörfer vom Kloster Postelberg und Priesner Besitzungen hinzu.

 

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Die Schenkungsurkunde des Friedrich von Chomutav

 

Drei Bauetappen prägen das Schloß. Die erste zur Zeit der Schloßgründung im 13. Jahrhundert, die zweite nach dem Hussitensturm zu den Waldenburgern, die dritte ist die unter Benesch von Weitmühl. In das Schloß ist die Katharinakirche einbezogen.
Der Einfluß und Reichtum des Ordens hatte zu dieser Zeit seinen Höhepunkt. Bald aber kam der Orden in Schulden, die im Jahre 1402 die Höhe von 900 Schock und 374 Gulden erreichten. Die strenge Ordnung war einem verschwenderischen Leben gewichen. Der damalige Komtur Johann von Egerberg verlor deshalb sein Amt. Auch seine Nachfolger hatten wenig Glück. Alle übrigen Güter des Ordens wurden verpfändet und die Macht des Deutschritterordens war in unserem Lande damit dahin.

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Das Schloß zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Furchtbar aber war das Schicksal, das am 16.März 1421 über die Stadt Komotau hereinbrach. Zizkas Scharen erstürmten nach tapferer Gegenwehr die Stadt, verwüsteten und plünderten sie. Alle Männer bis auf 30 wurden erschlagen. Auch das Schloß wurde verwüstet. Bis in den September hinein war die Stadt von den Hussiten besetzt. Als Reichstruppen und die Meißner heranrückten, zogen die Hussiten nach Saaz ab. Komotau wurde von den Meißnern besetzt und Anarg und Heinrich von Waldenburg übergeben. 1488 entsagte der Deutsche Ritterorden schließlich aller seiner Rechte. Komotau wurde in die Landtafel für Benesch von Weitmühl eingetragen, das Schloß wurde umgebaut.
 
1529 kam das Schloß an Sebastian von Weitmühl. Sein Sohn Johann war der letzte Besitzer Komotaus aus der Linie der Weitmühls. 1560 kam das Schloß an Erzherzog Ferdinand, 1571 an Bohuslaw Felix von Lobkowitz und Hassenstein. 1588 ging die Herrschaft an Georg Popel von Lobkowitz. Dieser errichtete ein Jesuitenkolleg. Für die Baugeschichte des Schlosses ist er genauso wichtig wie Benesch von Weitmühl. Popel geriet beim Kaiser in Ungnade und endete schließlich im Popelsturm zu Elbogen. Seine Güter wurden eingezogen und königlichen Hauptleuten zur Verwaltung übergeben. Die Stadt wurde damals von einem verheerenden Brand heimgesucht.

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Das Schloßportal im Renaissance Stil.

Kirche, Pfarrei, die Schule, das Schloß, das Rathaus, die Tortürme, die Fleischbänke, 7 Bierbrauereien, 70 Mälzereien und 260 Häuser wurden ein Raub der Flammen.1605 willigte die die königliche Kammer in den Verkauf. Komotau wird städtischer Besitz. Das Schloß wird Rathaus.

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Gasthaus "Zur Kriminelle"

 
Vor dem Jahre 1598, soll das Schloß noch ein Stockwerk besessen haben. Dieses wurde durche eine Brand vernichtet. Bei diesem Brand wurde der erste Betsaal der Lutheraner (Lutherboden) ein Raub der Flammen. 1607 wurde das Schloß zum Rathaus der Stadt bestimmt. Lange Zeit befanden sich darin das Bürgermeisteramt, die Sparkassa, das städtische Forstamt, ein Turnsaal und ein geräumiger Sitzungssaal.
Der rückwärtige Anbau bildete das Bräuhaus. Die sehr beliebte Bräuhausschenke hatte den Namen "Die Kriminelle", weil sich dereinst die Gefängnisse der Stadt dort befanden.

Angebaut am Komotauer Schloß:

Die Katharinakirche

Heute im Schloß:

Das Komotauer Museum